Donnerstag, 27. Juli 2017

"Schwein gehabt"

Es war August und die Sonne strahlte endlich wieder nach einer Woche Dauerregen.

Ich wollte mein Glück auf den Schwedenbock (Geschichte folgt) versuchen, einen braven 6er den ich schon über 2 Jahre kannte. Er hatte dieses Jahr ein ungewöhnlich starkes Gehörn und da ich noch einen Bock frei hatte, sollte es dieser werden. Er hatte seinen Einstand in einer 3 Hektar großen Waldinsel. Diese umgab heuer auf der einen Seite ein halb geerntetes Rapsfeld.Auf der anderen Seite Mais und angrenzend ein Weizenstoppelfeld. An dieser Ecke wollte ich sitzen.

Ich stiefelte gerade vom Auto zum Sitz und freute mich auf entspannte Stunden als ich eine Bewegung am Waldrand direkt neben der Leiter wahrnahm. Ich war recht unvorsichtig angelaufen, da ich um diese Zeit noch nicht mit Wild gerechnet hatte und das rächte sich jetzt.

Dort stand der gesuchte Bock mit einem Schmalreh und äugte mir auf nur 20 Schritt entgegen. Wir waren beide über die Anwesenheit des anderen ziemlich erstaunt und so musterten wir uns beide einen Augenblick, eh sich der Bock, in hohen Fluchten entfernte. So ein Mist!!

Was sollte ich tun? Auf den Sitz rauf?

Er würde ja wohl kaum heute dort nochmal auftauchen. Nein, ich fasste den Entschluss ihm nachzugehen und pirschte in die Richtung in der der Gesuchte entschwunden war. Alle Sinne angespannt und so ging es durch den Bestand. Da die Insel je nicht besonders groß war gelangte ich schnell an den Rapsrand. Dort stand eine alte völlig vermooste Bockleiter. Diese war mir vorher noch nie aufgefallen. Mir kam der Gedanke, dass ich von dort oben über das stehende Feld schauen und so vielleicht den Bock ausmachen könnte. Also mal kurz gerüttelt, sie schien stabil zu sein.

Arschbacken zam und rauf auf das prähistorische Teil. Bei jeder Sprosse ächzte die Leiter besorgniserregend. Als ich gerade oben angekommen war kam es so, wie es kommen musste. Die oberste Sprosse gab nach. Ich klammerte mich an der Brüstung fest und versuchte verzweifelt die nächste Sprosse zu erreichen als dies gelang krachte auch diese entzwei und ich umklammerte nun nur noch einen Leiterholm und strampelte Halt suchend in knapp 4 Metern herum. Das war dann zu viel für den Sitz. Nun kippte das Ganze samt mir zur Seite weg. Glücklicherweise waren, dort wohin die Leiter fiel, etliche Büsche gewachsen und diese nahmen mich und die Leiter in Empfang. So war ich nun zwar komplett grün vom Moos und hatte auch ein paar Kratzer durch die Äste aber sonst war ich unverletzt. Die Waffe hatte auch nichts weiter abbekommen, da ich diese wie einen Säugling beim Sturz fest an mich gedrückt hielt. Also nochmal mächtig Glück gehabt!

Als ich dann die verstreuten Sachen aufsammelte hätte ich schwören können den Bock zurecht lachen gehört zu haben. Den Bock hatte ich nach dem ganzen Krach abgeschrieben, aber es war einfach so schön draußen. Also beschloss ich, mich auf die ursprünglich geplante Leiter zu setzen,um einfach den Abend zu genießen und mich zu freuen, dass ich mir nicht das Genick gebrochen habe. Als ich dann endlich saß, konnte ich ein paar Hasen auf der Stoppel beobachten und der Puls war wieder im Normalbereich. Aber nicht lange.

Denn auf 250m wechselten 3 Überläufer aus dem Mais auf die Stoppel. Mensch das gibt’s doch nicht! Das Licht war noch klasse und die Größe passte auch bei den Sauen. Das Einzige was schlecht war, war die Entfernung. Was tun?

Die Chance wollte ich nicht ungenutzt lassen also runter vom Sitz und angepirscht. Ich schlich langsam in der 5ten Maisreihe und vergewisserte mich immer das die Sauen auch noch da waren, indem ich immer mal aus dem Mais zu ihnen spähte.

Als ich gut 80m an Ihnen dran war, zogen diese doch tatsächlich wieder in den Mais hinein. Das darf doch nicht wahr sein!! Ich versuchte ihnen den Weg abzuschneiden und drang nun selber tiefer in den Mais ein. Auf einmal konnte ich sie hören. Sie müssen unmittelbar in meiner Nähe sein. Ich war voll angespannt und versuchte im hocken irgendwas zu erkennen, aber da war nur eine grüne Wand.

Nun hörte ich wie die Sauen versuchten mich zu umschlagen, um Wind zu holen. Jetzt müssten sie bald auf meine Reihe wechseln. Was für ein Krimi. Ich ging in die Hocke und zielte in die Richtung wo die Sauen auftauchen sollten. Ich war im Anschlag und bereit. Ein Haupt eines Überläuferkeilers erschien zwischen den Blättern und Stängeln und schob sich 10m vor mir zwischen die Reihen. Er verhoffte kurz und ich krümmte den Finger durch, er konnte wohl den Knall nicht mehr hören, als er wie vom Blitz getroffen zusammen brach. Sein 2 Mitstreiter entfernten sich zügig. Als ich dann vor dem 50kg Burschen stand, ließ ich die letzte Stunde nochmal Revue passieren.
Ich hatte an diesen Abend einfach richtig Schwein gehabt.

Waidmannsheil und Waidmannsdank

J.

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