Montag, 26. Dezember 2016

Auf Dunkelheit, folgt Licht

Liebes Tagebuch,

mein Jahresrückblick ist dieses Jahr eher von traurigen Momenten geprägt. Momente die mir den Boden unter den Füßen entziehen, die mich fallen  und schwach wirken lassen. Momente die ich nicht noch einmal erleben möchte, jedoch unweigerlich wieder erleben muss, alles eine Frage der Zeit.

Das Jahr startete sehr schön, abgesehen von der Diagnose Bandscheibenvorfall. Einen kurzen Augenblick habe ich mich unglaublich verletzbar gefühlt, es brauchte Zeit bis ich damit umgehen konnte. Dann folgte nach dem Urlaub die erschreckende Nachricht: mein Vater ist gestorben, alleine für sich. In seiner Wohnung, ohne einen Menschen an seiner Seite musste er diesen schweren Weg gehen. Egal wie bösartig Menschen sein können, egal welche Fehler sie im Leben machen -  man muss lernen zu vergessen und zu verzeihen. Für mich ein absoluter Schock, natürlich habe ich es ihm die ganzen Jahre gewünscht, da er sich nie um mich gekümmert hat und fragte wie es mir geht. Er hat mich im Stich gelassen. Ich war zu naiv um zu verstehen, dass das Leben so kurz sein kann. So einsam und schmerzhaft. So traurig. Durch diese Erfahrung habe ich viel über mich selbst gelernt, auch wenn ich diesen Menschen nie kennen gelernt habe, so ist er ein Teil von mir. Nach dem langen warten von knapp 8 Monaten konnte ich dann meinen Vater zu Grabe tragen. Ich konnte ihm am Grab noch nicht verzeihen, dennoch wollte ich ihn diesen letzten Schritt nicht alleine gehen lassen. Das einzige was ich als Tochter wirklich noch tun konnte, war da zu sein. Dort am Grab zu stehen, Kinderbilder überrannten sich in meinen Gedanken, ich konnte es nicht verstehen. Weg, Ruhe, es war vorbei. Der Kampf gegen den Krebs schien aussichtslos und so nahm er ihn mit sich. Zog ihn in seinen Bann und beendete das Leiden. Eines der wohl traurigsten Ereignisse in meinem Leben und zurück bleibt eine Tochter die Fragen hat. Die wissen will ob sie geliebt wurde, ob es Gedanken an sie gab. Fragen die nie beantwortet werden können, Fragen die zu schmerzhaft sind um sie zu stellen und doch geistern sie in den unruhigen Gedanken umher.

Warum ist Liebe nur so schmerzhaft? Warum ist die Menschheit so schnelllebig wie die Welt die sie umgibt? Sitze ich in der Stadt und beobachte die Menschen so sind sie mir fremd. Stress, Wut, Angst, Unzufriedenheit – so viele sind so, müssen sie es denn sein? Findet man nicht immer einen Weg glücklich zu sein? Gibt es nur eine Chance im Leben oder ist es wie der Irrglauben von der Katze mit den 9 Leben? Hat jeder Mensch nur eine Chance im Leben glücklich zu sein? Stimmt der Satz: „Jeder ist seines Glückes Schmied?“ Geht die große Liebe, findet man dann wieder eine oder ist sie dann weniger große Liebe? Mit der großen Liebe gingen Pläne, ging die Zukunft – wieder entriss es mir den Boden unter den Füßen, wieder nahm es mir den Halt. Wieder musste ich kämpfen, wieder musste ich mir Schwäche eingestehen. Wieder blieb ich mit vielen offenen Fragen sitzen – immer noch unbeantwortet.

Erst jetzt, ein halbes Jahr später kann ich den Schmerz wirklich zulassen, ihn mit Tränen verarbeiten, ihn ganz tief an mich heran lassen. Wieder fühlt es sich grausam an, es können viele liebe Menschen bei einem sein, dennoch bleibt dieses Gefühl von ALLEINE sein immer bestehen. Es scheint etwas aus meinem Leben entrissen worden sein, was ich gebraucht habe. Ja die Zeiten werden sicher wieder besser – irgendwann, doch was macht man in der Zeit, in der der Schmerz einen fast auffrisst? Ablenken,  funktioniert nur für den kurzen Moment, Weinen bringt nicht den gewünschten Effekt von Befreiung mit sich. Also was macht man dann?

Ein Versuch sich den Frust, die Angst, die Trauer und die Wut von der Seele zu schreiben. Es wirkt eine kurze Zeit befriedigend, doch dann kommt die stille Nacht. Zeit die mit Nachdenken verschenkt wird. Was hätte besser laufen können in meinem Leben? Musste das alles sein? War das alle eine Prüfung? Was kommt danach? Seelenfrieden und Zufriedenheit?

Etwas Gutes hat dies alles natürlich auch, Freundschaften die bereits bestanden wurden vertieft, es entstand eine ganz neue Beziehung zueinander. Das Vertrauen fiel schwer, aber der Anfang war gemacht. Nun Griff ich danach und versuchte mit dem was ich da gefunden hatte glücklich und zufrieden zu werden. Neue Freundschaften entstanden, liebe Menschen wurden kennen und lieben gelernt. Manchmal muss man ein Feld niederbrennen, um neu Wirtschaften zu können. Der Schmerz, ein ständiger Begleiter, egal ob körperlich oder psychisch. Liebe kann nicht zugelassen werden, die Wunden sind noch immer nicht verheilt. Die Angst im Hinterkopf nie wieder lieben zu können, Angst allein gelassen zu werden, Unsicherheit etwas falsch zu machen.

Das tiefe Innerste wird tief nach innen vergraben, die Menschen sollen es nicht sehen, sollen sich nicht sorgen, sollen keine Fragen stellen. Nebeneinander her leben, so viele Menschen habe ich so gesehen, das ist nicht meine Zukunft, sondern den ihre.

Mit erhobenem Haupt wird das Jahr 2017 hoffentlich besser, zeigt mir die schönen Seiten des Lebens und lässt es mich ausschöpfen und genießen. Ein Jahresrückblick mit tiefen und verletzten Gedanken, mit Schmerz aber auch mit tiefer Hoffnung auf das Gute.
An alle da draußen die Leiden oder leiden mussten, es wird besser. Irgendwann!!! Nur Mut und Zuversicht!!


Josi

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