Dienstag, 14. Juni 2016

Gastbeitrag von Patrick: Erntezeit




Es ist Oktober, die Erntezeit des Jahres, so zogen wir vier los ins heimatliche Revier, die kühlen, aber sonnigen Tage genießen.



Das Wochenende würde kurz werden, denn die Anreise um 2 Uhr Nachts am Freitag stahl uns die so kostbare Zeit. Nach 2,5 Stunden Schlaf ging es morgens vor dem Ansitz noch schnell mit den Hunden raus, bis dann der 16hunderter Passatmotor des Iltis‘ zum Leben erweckt wurde, um alle Jäger zum Ansitz zu fahren. 
Geplant war die Jagd auf schwaches Rehwild und selbstverständlich alles Raubwild/Raubzeug, was sich im Revier bewegt, um dem Niederwild das Aufatmen zu erleichtern.



Die Kanzeln bezogen, dämmerte es, der Tag brach an, die Vögel sangen und die Wolkendecke brach langsam auf, um die wärmende Sonne durchscheinen zu lassen. Kaum war es hell, hatte ich drei Stück Rehwild vor, eine Ricke mit zwei Kitzen, direkt an einer Hecke. Das weibliche Kitz schien sehr schwach im Wildbret, doch noch war es zu weit, um einen sauberen Schuss anzutragen. Kaum dachte ich diesen Gedanken zu Ende, fiel mir fast das Doppelglas aus der Hand, als der Schuss aus der Sauer 101 im Kaliber 8x57IS bloß 200m entfernt brach. Andreas schoss sein erstes Stück Wild, gleich beim ersten Ansitz, in unserem Revier. Welch eine Freude, dachte ich, als kurz darauf eine SMS eintrudelte: „Kitz tot“. Keine zwei Minuten darauf folgte: „Ein sehr schwacher Jährling steht bei“. Eine tollte Geste, welche ich schnell und kurz entschlossen mit: „Hast du die Möglichkeit, sollst du ihn herzlich gern Strecken!“ beantwortete. Nicht lange gezögert, hallte die 8x57IS ein zweites Mal durch die morgendliche Idylle. Auch der Bock, halb Lauscher hoch auf, Spießer, fiel im Knall. So stieg ich auf den höchsten Punkt im Revier und es erklang „Hahn in Ruh, das Ganze, sammeln der Jäger“.



Mit allen zusammen trafen wir bei Andreas ein, der die Stücke schon zur Kanzel zog. Das Überreichen der Brüche durfte mir zu Teil werden, was mich ganz besonders freute, denn Andreas‘ Dankbarkeit für ein solches Erlebnis war bald grenzenlos. 



Der Kräutertee am Mann, die Hörner raus und es hallte durch Wald, Dorf und Flur: „Reh tot“.
Der darauf folgende, zweite und letzte Morgenansitz brachte ein ebenso erfreuliches Ereignis. Mein bester Freund konnte den 2. Altfuchs des Wochenendes strecken, zwischen sieben Stücken Rehwild wollte er sich mogeln, doch die 8x57IS hielt ihn auf, ließ ihn im Knall zusammenbrechen. Der Morgentau ließ die Wiese weiß funkeln – ein wunderschönes Panorama. Ich selbst durfte nochmal zum Zuge kommen, jedoch fehlte ich leider einen Fuchs.




Alle Mann zusammengetrommelt trafen wir uns am Ort des Geschehens, an einem der höher gelegenen Orte, mit Blick über das Dorf, hinter uns der Bestand, wir auf der Wiese im Morgentau. Der Fuchs, der sein Leben ließ, mag ein teuflischer Räuber sein, doch die Ehre der vier Hörner wurde ihm zu Teil.

Eine unbeschreibliche Stimmung mit Freunden die Natur so hautnahe zu erleben, die Sitten aufleben zu lassen und sich gegenseitig vom Herzen das Möglichste zu wünschen. Weitab von jedem Neid ließen wir am letzten Morgen nochmal alles Revue passieren.

„Nur der soll die Büchse tragen, der nach alter Väter Art gelernt gerecht zu jagen, und so zum Jäger ward.“


Horrido Patrick

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen