Donnerstag, 3. September 2015

Das Gefühl!!!!!


Hallo liebe Leser,

nach langer Abstinenz melde ich mich mit einem sehr unguten Gefühl wieder.

Gestern ging es auf Jagd und ich wolle endlich mein lang ersehntes Böckchen erlegen. Auf der Kanzel angekommen, legte ich mein Fernglas auf den Rand des Fensters und meine neue Kamera vor mich.

Die Tür meiner Kanzel hatte ich ganz bewusst offen gelassen um noch mehr zu sehen und zu hören. Alles war unglaublich ruhig, nur ein Hund bellte im angrenzenden Dorf. Weit entfernt stand ein Bock und ich hoffte das er noch zu meiner Kanzel gezogen kommt.

Vorher aber lief ein Mann mit seinem Labrador genau in seine Richtung. Der Hund schien sich nicht für den Bock zu interessieren, sondern nur für seinen Stock, jedoch finde ich das Verhalten des Besitzers grenzwertig. Aber darum geht es jetzt gerade nicht.
Der Bock war unglaublich mutig, denn der Hund lief seinem Stock hinterher und der Bock sprang ab und drehte vielleicht 5m vor dem Hund und lief in ein kleines Wäldchen. Der Hund zeigte kein Interesse, aber ich fand den Bock sehr mutig.

Ja nun war der Bock weg und der Mann schnappte sich seinen Hund und lief auch wieder nach Hause. Toll. Ich war dezent genervt und beschäftigte mich mit meiner Kamera.

Auf einmal neben mir im Maisfeld knackte es und knirschte es. Ich wartete ruhig in meiner Kanzel und aß meine Chips, die ich mir mitgenommen hatte. Dann stand er auf einmal da, der Bock von vorhin. Ich beobachtete ihn durch mein Fernglas und bestaunte ihn.
Ich würde den Sechser auf 3-4 Jahre schätzen. Das Gehörn war lauscherhoch und seine Decke war richtig schön rotbraun. Ein wunderschöner Anblick.

Ich nahm meine Waffe und legte sie an. Ich fing an mit zittern, ein bekanntes Gefühl für mich. Ich kontrollierte meinen Atem und wollte mich konzentrieren, aber irgendwas war anders. Ein komisches Gefühl in der Brust und im Bauch machte sich breit und irgendwie nahm es mir die Luft.
Ich fühlte mich schlecht und musste auf Krampf meine Gedanken zusammen nehmen, aber es ging nicht. Es ging einfach nicht. Ich zitterte und dieses Gefühl schoss mir mit Tränen in die Augen.

Ein Gefühlsausbruch den ich so schlecht beschreiben kann und von mir nicht kenne.
So lange begleite ich meine Schwester schon auf die Jagd und ich selbst, habe auch schon einiges an Wild erlegt, aber das war komisch.

Ich fühlte mich so hilflos in dem Moment. Ich sicherte die Waffe und stellte sie in die Ecke. Ich nahm das Fernglas und beobachtete den Bock weiter. Er sah so unglaublich zufrieden aus und ich konnte und wollte ihn nicht erschießen.

Mit einem Mal wurde es mir kalt und ein Schauer lief mir den Rücken herunter. Ich zog mir beide Jacken an und lehnte mich nach vorn ans Fenster und schaute dem Bock hinterher, der weg zog von mir.

Sehnsüchtig schaute ich ihm nach und ich fühlte mich beruhigt. Am Horizont sah ich ihn äßen und freute mich darüber. Das Gefühl legte sich wieder in meiner Brust und mein Bauch war auch wieder ruhig.

Der Bock schreckte auf, als ich plötzlich los brüllte.
Eine riesige Spinne lies sich vor mir auf meinen Arm sinken und ich war so erschrocken, dass ich meine Dose mit den Chips umstieß und mein Fernglas auf den Boden fiel. Zum Glück nicht meine Kamera. Die Spinne flog dann die Kanzel herunter. Wie ekelig ist das denn bitte???

IHHHHHHH bei dem Gedanken, schüttelt es mich immernoch.

Naja ich baumte ab, denn der Nebel zog hinter mir auf und nach dem Angriff der Spinne, hatte ich für den Abend die Nase voll. Ich lief am Rand des Feldes den Weg hinauf und auf der linken Seite stand der Bock und sah mich an. Ich blieb einen Moment stehen und mein Herz klopfte wieder wie wild.
Der Bock warf sein Haupt nach oben und hinten und sprang dann lautstark schreckend ab.

Ich zuckte kurz zusammen und lief dann meines Weges weiter.
Hinter mir hörte ich das Rehwild schrecken, ich zog die Jacke tiefer ins Gesicht und lief Richtung Dorf, den Lichtern entgegen.

Auch wenn ich noch nie so einen Gefühlsausbruch hatte, war ich doch sehr froh nicht geschossen zu haben. Ich hätte mich im Nachhinein sehr geärgert.

Danke an alle Leser, die mir so lieb und gut auf Facebook zugesprochen haben und mir gesagt haben, dass alles in Ordnung mit mir ist.

Ich wünsche euch allen Waidmannsheil und stets eine sichere Kugel.

Fühlt euch geherzt

Eure Josi

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