Sonntag, 31. August 2014

Danke!!!!



So mal wieder etwas von mir zu lesen.

Es gibt viele Gründe wofür ich sehr dankbar bin und die ich außerordentlich gerne genieße. Ein Monat nach meiner Operation ist vergangen und ich bin schmerzfrei. Es ist ein tolles Lebensgefühl und endlich kann ich wieder auf Jagd. Schön dass ich die jagdfreie Zeit mit vielen schönen DVDs und tollen Ansitzen mit meinem Jagdkollegen Friedrich überbrücken konnte.
Es ist viel passiert und ich konnte meinen 2. Bock auch schon erlegen, aber dazu in einem anderen Blog mehr.

Die freie Zeit hat mich nachdenken lassen. Wofür bin ich seit meiner Jagdausbildung dankbar ;-)...an einigen Punkten lasse ich euch teilhaben:

1. Meine Augen und mein Herz


Es ist unglaublich was ich als Jägerin alles so sehe. Seit meiner Jagdausbildung sehe ich die Natur und die Tiere mit anderen Augen. Kleinigkeiten bringen mich zum Lächeln und ich kann den ganzen Alltag vergessen. Die Natur ist einzigartig und ich respektiere sie und die darin lebenden Tiere. Gern möchte ich meinem Kind später mal all das zeigen, was mich so verzaubert und beruhigt. Ich bin froh, dass die Natur mich so viele verschiedene Gefühle empfinden lässt. Nicht nur Freude, auch Schmerz und Trauer, Angst, Schuld und vor allem Ehrfurcht.
Unser Herz und unser Gehirn geben uns Emotionen und diese Emotionen machen uns menschlich und so besonders. 


2. Bäume


Bäume sind die schönsten Pflanzen die es für mich gibt. Sie haben eine so große Aufgabe in meinem/unseren Leben. Sie reinigen den Sauerstoff und füllen unsere Lungen damit. Wir brauchen sie zum Überleben und schätzen sie doch eigentlich so wenig. Sie geben vielen Tieren einen Lebensraum, geben ihnen Futter und spenden uns uneigennützig Schatten im Sommer und Holz im Winter. Wie schön ist es im Herbst durch das herabgefallene Laub zu laufen. Die Blätter und Zweige knacken unter den Füßen, wenn man einen Blätterhaufen sieht muss man einfach hinein springen und das Laub hoch in die Luft werfen. Wie schön sind die bunten Farben der Blätter, wie schön schimmert die Herbstsonne durch die Blätter und die fast leeren Baumkronen. Wenn man sich im Herbst unter einen Baum legt und die Blätter fallen sieht, weiß man das ein Leben zu Ende geht bzw. ruht und im Frühjahr ein Neues erwacht. Wunderschön sind die schneebedeckten Kronen der Bäume. Der Geruch der Nadeln im Winter gibt mir ein wohlig warmes Gefühl, genauso wie das Knacken des verbrennenden Holzes.




3. Geräusche


In der Kanzel mit offenem Fenster zu sitzen oder auf einem Hochsitz ist etwas Wundervolles. Wenn ich früh um 3 Uhr raus gegangen bin und lange genug im wachen Zustand saß ;-) konnte ich hören wie die Natur erwacht. Es ist der Hammer. Das Käuzchen ruft, das Wild raschelt durch das Gras oder man hört es schmatzen - Wundervoll. Es ist so schön anders zu sein als andere. Das was ich bzw. Ihr auch erleben dürft ist einfach einzigartig. Aber am meisten genieße ich die Stille. Gerade in der heutigen hektischen Zeit, bin ich dankbar für Stille und Ruhe. Ich lausche meinem eigenen Herzschlag und kann meinen Gedanken freien Lauf lassen. Für mich gibt es nichts Schöneres im Leben. Ansitze zu zweit sind schön, aber am liebsten bin ich doch alleine. Durch den Wald zu laufen und einen Bach rauschen zu hören ist so schön. Die Blätter oder den Schnee unter den Füßen knirschen und knacken zu hören ist sooooooo toll. Die verschiedenen Vögel rufen zu hören ist so spannend. Manchmal wäre ich gern ein Vogel und würde die Welt von oben sehen.



4. Fotos


Dankbar bin ich für den Erfinder des Fotoapparates ;-)!!!!!
Stimmige Momente und wunderschöne Augenblicke in einem Foto fest zu halten ist für mich das Größte. Meine schönsten jagdlichen Erinnerungen konnte ich in mein Fotoalbum/Jagdtagebuch kleben und wenn ich es aufschlage, kann ich mich zurück erinnern an die Momente, Gefühle neu aufleben lassen und es nochmal genießen. Ich möchte keine Erinnerung verlieren und nie wieder auf eine Kamera auf der Jagd verzichten.




5. Hände


Meine Hände sind kostbar. Wir nehmen sie als selbstverständlich hin, aber es sind die, die über Leben und Tod entscheiden. Sie bewegen den Abzug unserer Waffe oder halten ein Messer in der Hand. Wenn ich ein Stück Wild schieße, sitze ich meist noch einen Moment an dem Körper und lege meine Hand darauf. Die Wärme die den Wildkörper verlässt, lässt mir oftmals die Tränen über die Wange rinnen. Über meine Hände nehme ich das Holz und das kühle Metall an meine Waffe wahr. Ich spüre die verschiedenen Felle bzw. die Federn der Tiere. Weiches oder drahtiges Haar, kurze und lange Federn. Schließt einmal die Augen und genießt es. Auch sind meine Hände wichtig um Tiere wie kleine Igel, kleine Hasen oder Kitze zu retten. Auch das ist unsere Aufgabe. Nicht nur Tiere töten, sondern ihnen auch helfen.



6. Fleisch


Es klingt jetzt vielleicht sehr plump, aber ich liebe Fleisch. Ich esse es gern und ich will im Leben nicht darauf verzichten. Ein Grund warum ich jage ist das gesunde und von mir selbst ausgewählte Wild. Ich bin nicht gezwungen in den Supermarkt zu gehen und mir Fleisch aus Massentierhaltung zu kaufen. Das was ich esse habe ich meist auch selbst erlegt oder es wurde von meiner Schwester/Schwager, anderen Jagdkollegen erlegt. ich finde immer etwas in der Kühltruhe ;-). Ich mag den Geschmack von Wild sehr. Es ist sehr eigen und schmeckt nie gleich. Richtig zubereitet einfach das Beste was es gibt. 

7. Generationen - Alt und jung


Ich höre den älteren Jägern so gern zu. Die spannendsten Geschichten lassen mich grinsen oder erstaunen. Über Tipps bin ich immer sehr dankbar. Auch Bräuche lebt die ältere Generation noch anders als wir jetzt. Erklären kann ich es nicht genau, aber es ist ein wärmendes Gefühl, wenn ich einem alten Jäger dabei zusehen darf wie er den letzten Bissen gibt oder den Erlegerbruch überreicht. Wir alle sollten voneinander und miteinander lernen. Die Jungen von den Alten und die Alten von den Jungen. Das Miteinander ist doch das Schöne. Wir sollten uns nicht mit hochgezogenen Augenbrauen ansehen, sondern eine helfende Hand ausstrecken. Bräuche haben in der Jagd für mich einen enorm hohen Stellenwert und es ist etwas, was ich für mich immer erhalten will und hoffentlich mal meinen Kindern weitergeben kann. Ich lerne immer mehr und ich bin froh nicht alles zu wissen und perfekt zu machen ;-). Fehler sind menschlich und da um daraus zu lernen.


8. Verantwortung


Ich entscheide, wenn ich alleine draußen sitze, welches das richtige Tier ist. Das ist manchmal gar nicht so leicht und manchmal macht man auch Fehler -  aber diese sind wichtig wie ich finde. Niemand macht es absichtlich, aber wenn es passiert muss man dazu stehen. Die Entscheidung abzudrücken ist nie leicht und ich bin immer sehr aufgeregt. Mein Herz schlägt bis zum Hals, aber dieses Gefühl ist enorm wichtig Das macht uns menschlich. Es liegt auch in meiner Verantwortung für meine Sicherheit und die der anderen zu sorgen. Hier dürfen einfach keine Fehler passieren. Das könnte ich mir im Leben nicht verzeihen. Verantwortung heißt auch, anderen Nichtjägern zu zeigen wie schön es ist was wir machen und erleben. Öffentlichkeitsarbeit sollte für uns alle weit oben stehen. Denn so wie wir uns in der Öffentlichkeit präsentieren, so werden wir auch weiter gesehen. Der 1.Eindruck ist auch sehr wichtig. Alles dürfen wir uns natürlich nicht gefallen lassen, aber wir müssen genau überlegen was wir sagen und wem wir sagen dass wir jagen.



9. Selbstreflexion


War es das "richtige" Stück Wild? War der Schuss gut und sofort tödlich? War es die richtige Entscheidung? Musste das Tier auch nicht leiden? War ich konzentriert genug? Nach einem Schuss gehen mir tausend Gedanken und Fragen durch den Kopf. Für mich ist es wichtig alles nochmal zu reflektieren und vielleicht begangene Fehler beim nächsten Mal zu vermeiden. Zufrieden mit mir selbst bin ich meist nur wenn alles glatt lief. Kritisch hinterfrage ich ständig, was ich tue auf der Jagd. Das schlimmste wäre für mich wenn ein Tier wegen mir leiden müsste, nur weil ich mich vielleicht nicht richtig konzentriert habe. Aber bis jetzt lief alles gut ;-)





10. Ehrung und Waidgerechtigkeit


Im Mittelalter wurde Raubwild unter den schlimmsten Bedingungen gefangen, gequält und umgebracht. Es war für die Menschen wertlos und für mich einfach grauenvoll. Als ich das lesen musste, schnürte es mir die Kehle zu. es war grauenvoll und rührte mich zu Tränen. Deswegen erfährt das Raubwild bei mir auch eine Ehrung. Es ist nicht wertlos und nicht sinnlos. Ehrung steht jedem Wildtier zu. Egal ob Schalenwild, Raubwild, Nieder -  oder Federwild. Einfach nur Zeit nehmen, einen Bruch legen und vielleicht noch das Stück verblasen. Die Zeit sollte man sich einfach nehmen. Wenn ich mich an ein Stück setze, die Hand darauf lege kullern meist die Tränen. Einfach Mensch sein und Gefühle zulassen ist für mich die schönste Ehrung des Wildes.



Ich danke für all diese Sachen und für viele mehr.
Sicher gibt es noch weitere Dinge für die ich sehr dankbar bin und andere von euch sind für andere dankbar. Wichtig ist einfach, dass wir den Sinn der Jagd nie vergessen und immer im Herzen tragen.

In diesem Sinne eine schöne neue Woche, schöne Anblicke und Waidmannsheil

Fühlt euch geherzt


Eure Josi

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